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Krippen

Woher kommt die Krippe – wer hat sie „erfunden“?

„… kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.“ (Lukas 2, 6-8)
Die biblische Schilderung der Weihnachtsgeschichte ist die eigentliche Basis für alle Krippendarstellungen. Dennoch sind aus heutiger Sicht zahlreiche unterschiedliche Entwicklungsstränge auszumachen, die gleichermaßen als Wurzel der heute bekannten Krippendarstellung gelten können:

Die Weihnachtsfeier des hl. Franziskus von Assisi

Die legendäre Weihnachtsfeier des hl. Franziskus fand im Jahre 1223 im Wald von Greccio – einem Dorf in Mittelitalien – statt. Man baute unter Anleitung des Heiligen einen Stall mit Zubehör nach, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Im Verlauf der Messfeier sah man – so die Legende – "… in der Krippe ein wunderschönes Kind (Bonaventura de Bagnoregio, Legenda major X, Kapitel 7.1 und 7.2).


Franziskus selbst soll gesagt haben:

"Ich möchte in voller Wirklichkeit die Erinnerung an das Kind wachrufen, wie es in Bethlehem geboren wurden (…). Ich möchte es mit meinen leiblichen Augen sehen, wie es war, in einer Krippe liegen und auf dem Heu schlafen zwischen einem Ochs und einem Esel." (Thomas von Celano, Vita des hl. Franziskus II)

Die kunsthistorische Entwicklung der Geburtsdarstellung

Die frühesten Darstellungen der Geburt Christi befinden sich auf römischen Steinsarkophagen des 4. Jahrhunderts:

Im Zentrum der Reliefs ist das Jesuskind dargestellt – flankiert von Ochs und Esel. Ergänzt wird die Szene durch einen (bzw. mehrere) Hirten und die drei Weisen aus dem Morgenland. Während Maria zunächst noch am Rande des Geschehens platziert ist, rückt sie im Laufe der Zeit zunehmend in den Mittelpunkt.

Häufig wird sie liegend dargestellt, erst langsam setzt sich die später weit verbreitete Darstellung der neben der Krippe sitzenden Muttergottes durch. Auch Josef hat zunächst noch keine feste Position inne, er steht jedoch häufig etwas abseits des Geschehens.

Geburtsgrotte in Bethlehem – Navitas Darstellungen

Die zeitlich am weitesten zurückreichende Wurzel der Weihnachtskrippe ist vermutlich die Verehrung der Geburtsgrotte in Bethlehem. Nachbildungen derselben münden in die Navititas-Darstellungen des 13. und 14. Jahrhunderts.
Dies in Italien entstandene Vorform der heute bekannten Krippe bestand dementsprechend aus einem steinernen Grottennachbau, der in einer Nische über einem Altar fest installiert war. Die Geburtsszene wurde mit monumentalen, häufig fast lebensgroßen Figuren dargestellt. Der Berg über der Grotte bot Platz für perspektivisch verkleinerte Darstellungen der Verkündigung an die Hirten und den Zug der Könige. In die Grottennachbauten waren meistens echte Gesteinspartikel aus dem Heiligen Land eingeführt.

Religiöses Volksschauspiel

Weihnachtliche Mysterienspiele, die in Nordfrankreich bereits seit dem 9. bzw. 10. Jahrhundert Brauch waren, sind für spätere Zeiten auch in anderen Gebieten Europas nachzuweisen. Die Weihnachtsfeier des hl. Franziskus von Assisi ist sicherlich ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen. In Südeuropa sind für das 14. Jahrhundert Krippenspiele mit Marionetten überliefert.
Gerade die volkskundlich ausgerichtete, theatergeschichtlich motivierte Forschung sieht in diesen geistlichen Schauspielen die wesentliche Wurzel der Weihnachtskrippe. Vor diesem Hintergrund entwickelte Rudolf Berliner den inzwischen häufig zitierten Begriff vom "gefrorenen Theater", der das Wesen der Krippe in ihrer heute bekannten Form treffend beschreibt.